1844: Schweiz
Autor: Helmut Ohley
Die Schweiz mit Bergbahnen, Tunnelbaugesellschaften und zwei klar unterschiedlichen Lokomotivgenerationen.
1844 — Zusammenfassung
Art der Kapitalisierung
- Kapitalisierung in zwei Hälften, weder voll noch klassisch inkrementell: Die Großen Historischen Gesellschaften (H1-H6) und die Vor-SBB (V1-V5) erhalten beim Floaten nur die Hälfte ihres Kapitals (das 5-Fache des Ausgabekurses bei den Historischen, das 2-Fache bei den Vor-SBB); die andere Hälfte kommt erst, wenn die Gesellschaft ihr Heimat-Hexfeld mit dem auf ihrer Charter markierten Ziel-Hexfeld verbindet.
- Die Regionalgesellschaften (R1-R3), die kein Ziel haben, erhalten beim Floaten ihr gesamtes Kapital auf einmal (das 5-Fache des Ausgabekurses, 100% ihres Werts).
Float und Aktienlimits pro Spieler
- Die Vor-SBB (V1-V5) und die Historischen (H1-H6) floaten mit 50% verkauften Aktien; die Regionalen (R1-R3)
floaten bei 60%; die SBB (durch Fusion gegen Spielende gebildet) hat eine Schwelle von 20%, aber
mit
floatable: false, da sie nie durch klassischen Aktienkauf floatet - Kein Spieler darf mehr als 60% einer Gesellschaft besitzen, außer bei den Vor-SBB (V1-V5), wo das Limit auf 75% steigt
- Zertifikatslimit pro Spieler: 3 Spieler — 24; 4 Spieler — 18; 5 Spieler — 15; 6 Spieler — 13; 7 Spieler — 11
Startkapital nach Spielerzahl
- 3 Spieler: 800 SFR Startkapital
- 4 Spieler: 620 SFR Startkapital
- 5 Spieler: 510 SFR Startkapital
- 6 Spieler: 440 SFR Startkapital
- 7 Spieler: 400 SFR Startkapital
- Die Bank beginnt immer mit 12.000 SFR, unabhängig von der Spielerzahl
Spielende (Auslöser)
- Die Bank hat kein Geld mehr: Die laufende vollständige Betriebsrunde wird zu Ende gespielt
- Die Regeln von 1844 schaffen den Bankrott ausdrücklich ab: Ein Direktor ohne genug Kasse und Privatgeld für einen Pflichtkauf liquidiert die Gesellschaft nicht, sondern verschuldet sich bei der Bank, mit 50% Zinsen auf die offene Schuld in jeder Aktienrunde, bis sie beglichen ist
Anzahl der Phasen
- 7 Phasen (1 bis 7), ausgelöst durch den Kauf des ersten Zugs vom Typ 2, 3, 4, 5, 6 bzw. 8E
Züge und Preise
- 2er-Zug — 90 SFR (13 Stück; Variante 2H für 70 SFR; rostet mit dem ersten 4er-Zug)
- 3er-Zug — 180 SFR (9 Stück; Variante 3H für 150 SFR; rostet mit dem ersten 6er-Zug)
- 4er-Zug — 300 SFR (6 Stück; Variante 4H für 260 SFR; rostet mit dem ersten 8E-Zug)
- 5er-Zug — 450 SFR (6 Stück; Variante 5H für 400 SFR; sein Kauf schließt die Privatgesellschaften und löst die Fusion der Vor-SBB zur SBB aus; rostet nie)
- 6er-Zug — 630 SFR (4 Stück; Variante 6H für 550 SFR; rostet nie)
- 8E-Zug — 960 SFR (20 Stück; Variante 8H für 700 SFR; zählt die 8 besten Halte; rostet nie)
- Jeder Zugtyp existiert in einer normalen Version (zählt Städte) und einer günstigeren H-Version (zählt durchfahrene Hexfelder); ältere Züge werden zur H-Version „herabgestuft“, bevor sie ganz rosten
Privatgesellschaften
- P1 - Brienzer-Rothorn-Bahn — 20 SFR, Ertrag 5, keine Sonderfähigkeit
- P2 - Bödelibahn — 50 SFR, Ertrag 10, erlaubt einmal pro Partie das Legen eines zusätzlichen gelben Plättchens
- P3 - Gotthard-Postkutsche — 80 SFR, Ertrag 15, kommt zusammen mit der Tunnelgesellschaft T1
- P4 - Furka-Oberalpbahn — 110 SFR, Ertrag 20, erlaubt das kostenlose Legen eines Sonderplättchens; dabei schließt sie, und der Besitzer erhält 80 SFR Entschädigung (Pflicht mit Erscheinen des ersten 5/5H-Zugs)
- P5 - Compagnie Montreaux-Montbovon — 140 SFR, Ertrag 25, kommt mit 10% Aktien der MOB
- P6 - Societa anonima delle ferrovie — 180 SFR, Ertrag 30, kommt mit der Direktoraktie der FNM; wer sie kauft, legt den Ausgabekurs der FNM fest, die sofort floatet; schließt, wenn die FNM ihren ersten Zug fahren lässt
- P7 - Lokfabrik Oerlikon — 100 SFR, Ertrag 0, schließt, wenn der erste 5/5H-Zug gekauft wird, und der Besitzer erhält kostenlos den Zug „EVA“ (5H), den er jeder von ihm geleiteten Gesellschaft zuweisen kann
- B1-B5 - Bergbahnen — je 150 SFR, Direktkauf (keine Versteigerung) in der Aktienrunde; sie legen einen Marker auf ein Gebirgs-Hexfeld und zahlen 40 SFR pro Runde, sobald eine Gesellschaft einen Zug dorthin fahren lässt; sie schließen nie und zählen nicht gegen das Zertifikatslimit
- T1-T5 - Tunnelgesellschaften — je 50 SFR; sie berechtigen einmalig zum Bau eines Tunnels für 100 SFR (Bonus von +10 SFR pro Halt nach der Nutzung); sie schließen nie und zählen nicht gegen das Zertifikatslimit
Aktiengesellschaften
- NOB - Schweizerische Nordostbahn (V1, Vor-SBB) — Heimat in D19, Ziel D15
- SCB - Schweizerische Centralbahn (V2, Vor-SBB) — Heimat in C12, Ziel F17
- VSB - Vereinigte Schweizer Bahnen (V3, Vor-SBB) — Heimat in C24, Ziel F25
- JS - Jura-Simplon (V4, Vor-SBB) — Heimat in I4, Ziel F7
- GB - Gotthardbahn (V5, Vor-SBB) — Heimat in G18, Ziel H19
- JN - Jura Neuchatelois (R1, Regional) — Heimat in F7
- ChA - Chur-Arosa (R2, Regional) — Heimat in G28
- VZ - Visp-Zermatt (R3, Regional) — Heimat in K10
- FNM - Ferrovie Nord Milano (H1, Historisch) — Heimat in L21, Ziel G20
- RhB - Rhätische Bahn (H2, Historisch) — Heimat in G26, Ziel J13
- BLS - Bern-Lötschberg-Simplon (H3, Historisch) — Heimat in F11, Ziel J13
- STB - Sensetalbahn (H4, Historisch) — Heimat in D15, Ziel H13
- AB - Appenzeller Bahn (H5, Historisch) — Heimat in D25, Ziel C20
- MOB - Montreux-Oberland Bernois (H6, Historisch) — Heimat in I6, Ziel H13
- SBB - Schweizer Bundesbahnen — beginnt ohne eigene Heimat; entsteht durch Fusion der fünf Vor-SBB
Spielspezifische Mechaniken
- Drei Ebenen von Gesellschaften (Vor-SBB, Regionale, Historische) mit unterschiedlichen Aktienstrukturen und Regeln
- Züge in doppelter Ausführung: normal (Städte) und H (Hexfelder)
- Bergbahnen und Tunnelgesellschaften als besondere Direktinvestitionen außerhalb der Aktiengesellschaften
- Pflichtfusion der fünf Vor-SBB zur SBB mit Erscheinen des ersten 5/5H-Zugs
- Es gibt keinen Bankrott: Er wird durch Schulden mit 50% Zinsen pro Aktienrunde ersetzt
- Die Bank „exportiert“ am Ende jedes Blocks von Betriebsrunden automatisch den billigsten Zug
- Der Aktienkurs der Regionalen ist bei 200 SFR gedeckelt
Notverkauf (Emergency Sell)
Beginnt wie in 1830 – Gesellschaftskasse, dann das Privatgeld des Präsidenten oder Besitzers –, fügt aber den Bankkredit als Alternative zum Zwangsverkauf von Aktien hinzu, statt als letzten Ausweg danach: Der Spieler kann sich Geld leihen, um das Defizit zu decken, ohne vorher etwas verkaufen zu müssen. Außerdem unterbindet es eine Eigenheit von 1830: Hier kann ein Zwangsverkauf nie die Präsidentschaft einer anderen Gesellschaft ändern, an der der Verkäufer Aktien hält, was in 1830 beiläufig durchaus passieren kann.
Vergleich mit 1830
1. Setting, Plan und Spielerzahl
1830 spielt im Nordosten der USA für 2-6 Spieler. 1844 verlegt das Geschehen in die Schweiz, mit einem von
Bergen und Tunneln geprägten Plan, und ist für große Gruppen von 3 bis 7 Spielern gedacht.
2. Drei Ebenen operierender Gesellschaften mit jeweils eigenen Regeln
In 1830 folgen alle Gesellschaften genau denselben Regeln. In 1844 gibt es drei Typen, die jeweils ein anderes
Stadium des realen Schweizer Eisenbahnbaus widerspiegeln: die kleinen, zur Fusion verurteilten Vor-SBB, die
begrenzten Regionalen und die Großen Historischen Gesellschaften, die das Spiel langfristig dominieren.
3. Das Ziel macht den Streckenbau zu einem Wettlauf mit Zielvorgabe, nicht nur zur Einnahmenquelle
In 1830 dient der Streckenbau einzig dazu, höhere Erträge zu erzielen. In 1844 ist das physische Erreichen des
Ziel-Hexfelds der Gesellschaft ein Ziel an sich, da es die zweite Hälfte ihres Kapitals freigibt: Das zwingt
dazu, Routen mit Blick auf einen bestimmten Punkt des Plans zu planen, nicht nur auf die einträglichste
Stadt.
4. Züge, die nach Hexfeldern statt nur nach Städten zählen, passend zur Berggeografie
In 1830 wird die Reichweite eines Zugs immer nach der Anzahl der Städte und Orte gezählt, die er durchfährt. In
1844 zählt die günstigere H-Version jedes Zugs jedes durchfahrene Hexfeld: Auf einem Plan voller Berge und
Tunnel bekommt so die Ausdehnung in schwierige Gebiete einen eigenen Wert, nicht nur die Verbindung großer
Städte.
5. Pflichtfusion von fünf Gesellschaften zur Schweizerischen Staatsbahn (SBB)
In 1830 fusionieren Gesellschaften nie miteinander. In 1844 fusionieren die fünf Vor-SBB verpflichtend zur SBB,
sobald der erste Zug vom Typ 5 oder 5H gekauft wird, und bilden damit die reale Verstaatlichung der Schweizer
Eisenbahnen nach: Die SBB erhält alle Besitztümer der Vor-SBB auf einen Schlag.
6. Es gibt keinen Bankrott: Schulden werden mit Zinsen gedeckt, nicht durch Liquidation
Wenn in 1830 eine Gesellschaft einen Pflichtzug nicht bezahlen kann, kann sie letztlich liquidiert werden. In
1844 beseitigen die Regeln dieses Ausscheidungsrisiko: Ein verschuldeter Direktor zahlt einfach steigende
Zinsen, bis er wieder herauskommt, was die Glücks- und Strafkomponente des Spiels stark abmildert.
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